Boca Juniors
Auftakt unserer Südamerika-Reihe: Der berühmteste Klub Argentiniens.
40 Prozent aller Argentinier bekennen sich zu den Boca Juniors – kein anderer Verein bündelt Identität, Folklore und Erfolg auf engerem Raum. Mit 35 Profimeisterschaften und sechs Copa-Libertadores-Titeln gehören die „Xeneizes" zu den erfolgreichsten Klubs Südamerikas. 2026 steht obendrein ein Großprojekt an: Die legendäre Bombonera soll während der WM im Juni und Juli umgebaut und auf rund 80.000 Plätze erweitert werden. Bauzeit: zwei Jahre, Kostenrahmen 50 bis 60 Millionen US-Dollar.
Vereinsgeschichte
Boca Juniors ist der Klub des gleichnamigen Stadtteils La Boca im Süden von Buenos Aires – einem alten Hafen- und Einwanderungsviertel an der Mündung des Riachuelo in den Río de la Plata. Buenos Aires ist mit rund drei Millionen Einwohnern in der Kernstadt und über 15 Millionen im Großraum die zweitgrößte Metropolregion Südamerikas. La Boca selbst ist seit jeher ein Arbeiter- und Migrantenviertel, geprägt von den bunt bemalten Wellblechhäusern entlang der Touristenmeile Caminito. Während der Erzrivale River Plate seit langem in den wohlhabenderen Stadtteilen Belgrano und Núñez residiert, blieb Boca seinem Ursprungsviertel treu – ein Umstand, der die soziale Komponente der Rivalität bis heute prägt.
Gegründet wurde der Club Atlético Boca Juniors am 3. April 1905 von fünf jungen Männern italienischer Abstammung, deren Familien überwiegend aus Genua stammten. Daher rührt auch der bis heute gepflegte Spitzname „Xeneizes" – eine spanisierte Form des ligurischen Wortes „Zeneize", was so viel heißt wie „Genuesen". Anfangs traten die Spieler in rosafarbenen, später in schwarz-weiß gestreiften Trikots an. Der Legende nach verlor Boca 1906 ein Duell gegen einen anderen Verein um das Recht auf die gestreiften Trikots und entschied daraufhin, die Farben der Flagge zu wählen, die das nächste in den Hafen einlaufende Schiff zeigen würde – es war ein schwedisches Schiff. Seit damals sind Blau und Gelb die Vereinsfarben.
1913 stieg Boca in die Primera División auf und spielt seither ununterbrochen erstklassig. Als Amateurmannschaft gewann der Klub sieben Titel zwischen 1919 und 1930. Seit Einführung des Profibetriebs 1931 folgten 35 weitere Meisterschaften. Besonders die Ära unter Trainer Carlos Bianchi um die Jahrtausendwende bleibt unvergessen: vier Meistertitel, drei Copa Libertadores, zwei Weltpokalsiege. Aktuell läuft es weniger glanzvoll – Stand März 2026 liegt Boca nur auf Rang 13 der laufenden Halbjahres-Meisterschaft, der letzte Titel datiert von 2022.
Größte Erfolge
Sechsmal gewann Boca die Copa Libertadores, das südamerikanische Pendant zur Champions League: 1977, 1978, 2000, 2001, 2003 und 2007. Damit liegt der Klub nur einen Titel hinter Rekordhalter Independiente. Im Endspiel 2000 setzte sich Boca im Elfmeterschießen gegen Palmeiras durch – ein Triumph, der die Bianchi-Ära einleitete.
Den interkontinentalen Vergleich entschied Boca dreimal für sich: 1977, 2000 und 2003 holte der Klub den Weltpokal beziehungsweise die Copa Intercontinental. Hinzu kommen vier Recopa-Sudamericana-Titel (1990, 2005, 2006, 2008) sowie zwei Copa-Sudamericana-Siege 2004 und 2005. Insgesamt verbucht der Verein 17 internationale Titel.
Das Vereinswappen
Das Wappen der Boca Juniors ist ein schräggeteilter Schild in den Vereinsfarben Blau und Gelb. Im oberen blauen Feld stehen die Initialen CABJ – Club Atlético Boca Juniors. Das untere gelbe Feld zeigt einen breiten gelben Diagonalstreifen, der das Trikotdesign zitiert. Auf manchen Versionen sind außerdem Sterne angebracht, die für die internationalen Titel des Vereins stehen.
Der Schild ohne aufwendige Symbolik passt zur Identität des Klubs: Boca verzichtet bewusst auf nostalgische Verzierungen und stellt die Vereinsfarben in den Mittelpunkt. Die Farbgebung selbst trägt die Gründungsgeschichte – die schwedische Schiffsflagge im Hafen von La Boca – über mehr als hundert Jahre weiter.
Rivalitäten
Die Rivalität mit River Plate ist die intensivste und folgenreichste in Südamerika und gilt international als eine der größten Vereinsfeindschaften überhaupt. Beide Klubs wurden ursprünglich im selben Stadtteil La Boca gegründet, bevor River Plate ins bürgerliche Belgrano und später nach Núñez wechselte. Aus dieser Spaltung entwickelte sich der soziale Gegensatz, der die Duelle bis heute auflädt: Boca galt als Klub der Hafenarbeiter und Einwanderer, River als Verein der Mittelschicht. Die Anhänger Bocas werden von River-Fans abfällig „Bosteros" genannt – nach den städtischen Bediensteten, die früher in La Boca den Pferdekot von den Straßen sammelten. Die Xeneizes revanchieren sich mit dem Schimpfwort „Gallinas", also „Hühner" beziehungsweise „Feiglinge". Die Spiele zwischen beiden Klubs heißen Superclásicos und versetzen das ganze Land in Ausnahmezustand – 73 Prozent aller argentinischen Fußballfans bekennen sich zu einem der beiden Vereine.
Legenden des Vereins
Über keinem anderen Klubnamen schwebt ein einzelner Spieler so prägend wie über Boca: Diego Armando Maradona spielte zwar nur 1981/82 und ein zweites Mal von 1995 bis 1997 für die Xeneizes, doch sein offizielles Abschiedsspiel fand 2001 in der Bombonera statt – Boca war und blieb sein Klub. Zur Galerie der Größten zählen außerdem Torwart Hugo Gatti, der zwischen 1976 und 1989 zwei argentinische Torhüter-Rekorde aufstellte (26 gehaltene Elfmeter und mit 44 Jahren ältester Ligaspieler), sowie Spielmacher Juan Román Riquelme, der heute als Klubpräsident die Geschicke lenkt und für viele die Verkörperung des „Boca-Stils" ist. Auf der Trainerbank prägte Carlos Bianchi zwischen 1998 und 2004 die erfolgreichste Ära des Vereins mit neun Titeln. Auch Carlos Tevez und Martín Palermo gehören zum erweiterten Pantheon – Palermo hält den Vereinsrekord als Torschütze.
Kuriositäten
Die berüchtigtste Fangruppe des Klubs nennt sich „La 12" – die zwölfte Mannschaft – und versteht sich als zusätzlicher Spieler auf dem Rasen. Pelé, der mit Santos mehrfach in La Boca gastierte, sagte einmal über das Stadion: „Ich habe in allen Stadien der Welt gespielt. Aber nur in diesem war mir, als würde die Erde beben." Diese Atmosphäre rührt auch von der außergewöhnlichen Bauweise der Bombonera her – dazu mehr im Stadionkapitel. Bemerkenswert ist auch die schiere Größe der Mitgliederbasis: Mit über 100.000 zahlenden Socios zählt Boca zu den mitgliederstärksten Fußballklubs der Welt. Kurioses Detail aus der Vereinshistorie: Der spätere argentinische Präsident Mauricio Macri war von 1995 bis 2007 Klubpräsident von Boca und nutzte seine dortige Popularität als Sprungbrett in die nationale Politik.
Stadion
Offiziell heißt die Spielstätte Estadio Alberto J. Armando, benannt nach einem früheren Klubpräsidenten. Doch kein Mensch nennt sie so – sie heißt La Bombonera, die Pralinenschachtel. Den Spitznamen verdankt sie ihrer ungewöhnlichen Architektur: Drei steile, fast senkrecht aufragende Tribünen umschließen das Spielfeld, die vierte Seite ist eine flache Logentribüne. Diese Asymmetrie sorgt für eine Akustik, die international ihresgleichen sucht – die Tribünen vibrieren bei Heimspielen sichtbar. Eröffnet wurde das Stadion 1940, davor spielte Boca in mehreren Vorgängerstadien innerhalb des Stadtteils La Boca. Aktuell fasst die Bombonera 57.395 Zuschauer. Im Juni 2026 beginnt der angekündigte Umbau: Die Logentribüne wird abgerissen, ein vierter Rang wird aufgesetzt und Boca will die Kapazität auf rund 80.000 Plätze erhöhen. Die Bauzeit ist mit zwei Jahren veranschlagt, das Budget liegt zwischen 50 und 60 Millionen US-Dollar.
Vereinsdaten auf einen Blick
- Gegründet: 3. April 1905
- Vereinsfarben: Blau-Gelb
- Spitzname: Xeneizes, Bosteros, La Azul y Oro
- Stadion: Estadio Alberto J. Armando (La Bombonera)
- Plätze: 57.395
- Argentinischer Meister (35): u. a. 1931, 1962, 1964, 1981, 1992, 1998, 2000, 2003, 2005, 2008, 2011, 2015, 2017, 2019, 2022
- Copa Libertadores (6): 1977, 1978, 2000, 2001, 2003, 2007
- Weltpokal/Intercontinental (3): 1977, 2000, 2003
- Homepage: www.bocajuniors.com.ar
La Bombonera


Quellen: de.wikipedia.org, kicker.de, spox.com, footboom1.com