Internationaler Fussball

Beitar Jerusalem

Vizemeister der Ligat ha'Al 2025/26 und Toto-Cup-Sieger – Beitar Jerusalem ist zurück an der Spitze des israelischen Fußballs.

Drei Punkte fehlten am Ende. Nach einem Titelrennen, das sich von den ersten Runden bis zum letzten Spieltag zog, musste sich Beitar Jerusalem in der Saison 2025/26 Hapoel Be'er Sheva geschlagen geben. Ein Trostpreis blieb: Unter Trainer Barak Yitzhaki holten die Gelb-Schwarzen im Oktober 2025 den Toto Cup Al – den vierten der Vereinsgeschichte – und starten in der Saison 2026/27 in der UEFA Conference League. Für Aufsehen sorgte das Team auch mit einem 8:2 in Netanja, dem höchsten Auswärtssieg der gesamten Spielzeit.

Vereinsgeschichte

Jerusalem liegt im judäischen Bergland auf rund 750 Metern Seehöhe, etwa 60 Kilometer östlich von Tel Aviv und rund 30 Kilometer westlich des Toten Meeres. Mit knapp einer Million Einwohnern ist es die größte Stadt Israels und zugleich eine der höchstgelegenen Metropolen des Nahen Ostens – Schnee im Winter ist keine Seltenheit. Der Höhenunterschied zur Küste macht Auswärtsfahrten für Gegner aus Tel Aviv zu mehr als einer geografischen Formalität.

Gegründet wurde der Klub 1936 als Sportabteilung der Betar-Bewegung, einer 1923 von Ze'ev Jabotinsky ins Leben gerufenen revisionistisch-zionistischen Jugendorganisation. Anders als die Hapoel-Vereine der Gewerkschaftsbewegung oder die Maccabi-Klubs stand Beitar von Beginn an im nationalen Lager – eine Prägung, die den Verein bis heute begleitet. Während des britischen Mandats gerieten zahlreiche Spieler wegen ihrer Nähe zur Untergrundorganisation Irgun in Haft und wurden nach Eritrea oder Kenia deportiert; um die Verbindung zu verschleiern, firmierte die Mannschaft zeitweise als Nordia Jerusalem.

Der sportliche Weg nach oben war lang. In den 1950er-Jahren kämpfte Beitar in den unteren Spielklassen, 1968 gelang erstmals der Aufstieg in die höchste Liga. Es folgte ein Jahrzehnt der Achterbahnfahrten: 1980 Abstieg als Tabellenletzter, sofortiger Wiederaufstieg, 1984 der verpasste Titel am letzten Spieltag gegen Hapoel Tel Aviv – seither eine der giftigsten Rivalitäten des Landes. 1991 ging es erneut in die zweitklassige Liga Artzit hinunter, doch schon 1993 stand Beitar als Aufsteiger wieder ganz oben. Seit Gründung der Israeli Premier League 1999 hat der Klub gemeinsam mit Maccabi Haifa und Maccabi Tel Aviv jede einzige Saison im Oberhaus gespielt.

Größte Erfolge

Sechs Meistertitel stehen zu Buche. Der erste kam 1987 unter Trainer Dror Kashtan mit Uri Malmilian, Yossi Mizrahi und Eli Ohana – kurios genug trug Beitar seine Heimspiele in jener Saison im Bloomfield-Stadion in Tel Aviv aus, weil in Jerusalem keine geeignete Spielstätte zur Verfügung stand. Es folgten die Titel 1993, 1997, 1998 sowie das Double-Jahrzehnt mit den Meisterschaften 2007 und 2008. Dazu kommen sieben Siege im israelischen Staatspokal, zuletzt 2008 und 2009.

International blieb der ganz große Wurf aus. Beitar hat in Europapokalwettbewerben regelmäßig teilgenommen, kam aber nie über die Qualifikations- und Gruppenphasen hinaus. Die Teilnahme an der Conference League 2026/27 ist der jüngste Anlauf. Da trifft man nun auf Austria Wien.

Das Vereinswappen

Auf schwarzem Schild steht eine gelbe siebenarmige Menora, der Leuchter des Jerusalemer Tempels. Darüber ein goldener Stern für die sechs Meistertitel.

Das Motiv stammt nicht aus dem Fußball, sondern direkt aus dem Emblem der Betar-Bewegung, die den Tempelleuchter als Zeichen jüdischer Kontinuität und Souveränität wählte. Mit der Vereinsgründung 1936 wanderte das Symbol unverändert auf das Trikot – der Klub trägt damit ein Wappen, dessen Bedeutung älter ist als der israelische Staat.

Rivalitäten

Das Stadtderby gegen Hapoel Jerusalem steht für den Gegensatz zwischen nationalem und Arbeiterlager, hat aber sportlich an Schärfe verloren, seit Hapoel meist in tieferen Ligen spielt. Die intensivere Feindschaft verbindet Beitar mit Hapoel Tel Aviv – Ursprung ist der verspielte Titel am letzten Spieltag 1984. Hinzu kommen die Duelle mit Maccabi Haifa und Maccabi Tel Aviv, mit denen Beitar die inoffiziellen „Big Four" des israelischen Fußballs bildet.

Legenden des Vereins

Uri Malmilian, geboren im Jerusalemer Viertel Mamilla, debütierte mit 16 Jahren und schoss in seinem ersten Spiel direkt aus dem Eckball ein Tor. 1976 sicherte er in der 90. Minute des Pokalfinales Beitars ersten bedeutenden Titel, wurde jüngster Nationalspieler der israelischen Geschichte und blieb bis 1990. Eli Ohana, von den Fans „König Ohana" genannt, hält mit 174 Toren in 203 Spielen den Klubrekord, wurde zweimal Fußballer des Jahres und kehrte nach Stationen bei KV Mechelen und Braga zurück – später war er Trainer und von 2017 bis 2022 Vereinspräsident. Dror Kashtan formte als Trainer die Meistermannschaft von 1987 und holte den Titel 1993 ein zweites Mal. Yossi Abuksis prägte in den Neunzigern das Mittelfeld der Meisterjahre 1997 und 1998.

Kuriositäten

Kein Porträt über Beitar kommt an La Familia vorbei. Die 2005 gegründete Ultragruppe aus dem Ostsektor des Teddy-Stadions gilt als rechtsextrem und offen anti-arabisch; Schätzungen zur Größe reichen von einigen Hundert bis zu 3.000 Anhängern. 2013 setzten Mitglieder Vereinsbüros in Brand, nachdem der Klub zwei muslimische Spieler aus Tschetschenien verpflichtet hatte. Der israelische Verband bestrafte Beitar wiederholt mit Geisterspielen und einmal mit einem Punkteabzug. Der Verein selbst ist damit der einzige der großen israelischen Klubs, der in seiner Geschichte nie einen arabischen Spieler eingesetzt hat – ein Umstand, der international immer wieder für Schlagzeilen sorgt und den Klubführungen seit Jahren zu schaffen macht.

Stadion

Das Teddy-Stadion im Stadtteil Malcha wurde zwischen 1990 und 1991 für rund 60 Millionen US-Dollar errichtet und ist nach Teddy Kollek benannt, der von 1965 bis 1993 Bürgermeister Jerusalems war und den Bau maßgeblich vorantrieb. Zuvor spielten die Jerusalemer Klubs jahrzehntelang auf dem sandigen, schlecht ausgebauten YMCA-Platz. Nach Erweiterungen 1997/98 und zuletzt für die U21-Europameisterschaft 2013 fasst die Arena heute 31.733 Sitzplätze und ist damit das zweitgrößte Stadion des Landes. Wegen der beengten, lauten Atmosphäre nennen Beitar-Fans ihre Heimstätte „Gehinnom" – Hölle. Neben Beitar tragen auch Hapoel Jerusalem und die israelische Nationalmannschaft dort Spiele aus.

Vereinsdaten auf einen Blick

  • Gegründet: 1936 (zeitweise als Nordia Jerusalem)
  • Vereinsfarben: Gelb und Schwarz
  • Spitzname: Die Menora, Die Löwen aus der Hauptstadt
  • Stadion: Teddy-Stadion
  • Plätze: 31.733
  • Israelische Meisterschaft (6): 1987, 1993, 1997, 1998, 2007, 2008
  • Israelischer Staatspokal (7): 1976, 1979, 1985, 1986, 1989, 2008, 2009
  • Toto Cup Al (4): zuletzt 2025/26
  • Homepage: www.beitarfc.co.il

Teddy-Stadion

 

Quellen: en.wikipedia.org, de.wikipedia.org, jpost.com